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Greifswalder „Lens Cleaner“ schützt vor Augenentzündung

Ostseezeitung, 05. Oktober 2007 | Hochschule


Eingestellt am: 05.10.2007,

Von: Ärztliches Direktorat


Kontaktlinsen leicht und zuverlässiger zu reinigen: Dafür haben drei Forscher der Uni Greifswald ein Verfahren entwickelt.

 

GREIFSWALD Klein, handlich und schnell einzusetzen – Kontaktlinsen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. In Deutschland gibt es derzeit mehr als 2,5 Millionen Träger von Kontaktlinsen. Allerdings brauchen die Haftschalen eine aufwendige und hygienische Pflege, um Infektionen im Auge vorzubeugen. Vor drei Jahren überprüfte die Zeitschrift „Öko Test“ Kontaktlinsenpflegemittel – mit zum Teil erschreckenden Ergebnissen. In vielen der Lösungen wurden krankheitserregende Mikroorganismen gefunden. Ein Forschungsteam der Universität Greifswald nahm sich dieses Problems an und entwickelte ein Produkt, das auf physikalischem Wege die Linsen zuverlässiger reinigen soll. „Die Ergebnisse von Öko Test und der Fakt, dass einige unserer Patienten selbst Probleme mit Kontaktlinsen haben, gab uns den Anstoß“, erklärt Physiker Rico Großjohann von der Uni-Augenklinik Greifswald. Mit der Augenoptikerin und Assistenzärztin für Augenheilkunde, Beatrice Rudolph, und Mentor Prof. Frank Tost entwickelt er seit 2006 den „Lens Cleaner“. Dieser soll insbesondere für weiche Kontaktlinsen als Ergänzung zu bestehenden Reinigungssystemen angeboten werden. Mit seiner Hilfe sollen die Einkomponenten-Lösungen optimiert werden. Dadurch werden vor allem der Reinigungseffekt und die Haltbarkeit der Lösung verbessert. „Man muss sich die Linsen sehr porös vorstellen, etwa wie einen Schwamm. In den Vertiefungen verschwinden die Keime, wo sie für Pflegelösungen schwer erreichbar sind“, erklärt Großjohann. Augenärztin Beatrice Rudolph betont: „Wir glauben, dass man neben der chemischen Reinigung prinzipiell nur mit Ergänzungen der Pflegemethodik zum Ziel kommt.“ Es gebe schon eine Reihe anderer Möglichkeiten, doch diese haben sich nicht durchgesetzt, so die Medizinerin. Die physikalische Methode sei laut der Forscher in dieser Art auf dem Markt allerdings neu. Für ihr Produkt will sich das dreiköpfige Team die UV-Strahlung zunutze machen. Näheres kann derzeit aber nicht verraten werden, da ein Patentierungsverfahren geprüft wird. „Durch die neue Methode werden schmerzhafte Augenentzündungen oder andere unangenehme Effekte im Zusammenhang mit der Pflege von Kontaktlinsen der Vergangenheit angehören und dadurch deren Verbreitung erhöht“, verspricht das Trio. Erste erfolgreiche Vorversuche gab es bereits an Ärzten des Uni-Klinikums, die selber erfahrene Kontaktlinsenträger sind. Ergebnis: Die Anzahl der Mikroorganismen hat sich durch die UV- Strahlung stark vermindert. Wie es mit dem „Lens Cleaner“ weitergeht? Im Laufe des nächsten Jahres werden die Tests abgeschlossen sein. Dann soll ein Prototyp gefertigt werden. „Das Gerät wird handlich und etwas größer als ein Fotoapparat sein“, beschreibt der Physiker das Exemplar. Das Ziel: Mikroorganismen sollen sich nicht bereits innerhalb der Reinigungslösung entwickeln. „Die Kontaktlinsen werden so gründlich gereinigt, wie es der Kontaktlinsenträger erwartet.“ Beim diesjährigen Innovationswettbewerb VentureSail MV wurde die Idee in der Kategorie Forscherteam mit dem ersten Preis ausgezeichnet und mit 40 000 Euro prämiert. „Lens Cleaner“ ist der derzeitige Titel der Forschungsarbeit, über den zukünftigen Produktnamen denken die Wissenschaftler noch nach. Das Forschungsteam um Prof. Tost betont allerdings: „Wir stehen Anregungen und Kooperationen offen gegenüber.“

 

 

HINTERGRUND

 

Kontaktlinsen-Reinigung

 

Zur Reinigung der Kontaktlinsen gibt es zwei Möglichkeiten:

 

Die Mehrkomponenten-Lösung ist die am häufigsten verwendete Variante. Sie reinigt gründlich, birgt aber eine akute Verwechslungsgefahr bei den einzelnen Komponenten durch den Nutzer. Dies kann zu schwerwiegenden Augenentzündungen führen.

 

Bei Einkomponenten-Lösungen können aktive Reinigungssubstanzen nur eingeschränkt verwendet werden, weil diese mit anderen Stoffen interagieren könnten. Dadurch reichern sich leichter Keime an. Es ist außerdem schwer, Konservierungsmittel einzubringen, da diese allergische Reaktionen an den Augen hervorrufen können.

 

Der Lens Cleaner soll als Ergänzung auf physikalischem Weg die Einkomponenten-Lösungen optimieren.

 

Info: 0 38 34/86 59 10, www.teleaugendienst.de

 

FRANZISKA AMLER


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